Thalia Theater Tann

Rückblick - Gespielte Stücke - Pension Schöller - Pressekritik
 



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Lauter Irre in diesem Etablissement
Thalia-Theater inszeniert zum zehnjährigen Bestehen die Boulevardkomödie
„Pension Schöller“


Tann. Jubel beim Premierenpublikum im ausverkauften Saal des Gasthauses „Karpfinger“. Mit der Komödie „Pension Schöller“ der Autoren Carl Laufs und Wilhelm Jakoby traf das Thalia-Theater mal wieder voll ins Schwarze. Als Anerkennung überreichte Bürgermeister Adi Fürstberger der Theatergruppe zum zehnjährigen Bestehen eine Geldspende.
Zum Jubiläum der „Thalias“ muss die Frage erlaubt sein, ob die reichhaltige Theaterszene in unserer Region ohnehin schon gesättigt ist. Das Publikum und die Schauspieler beantworten diese Frage mit klarem Ja. Zum einen hat sich die „Fangemeinde“ so vergrößert, dass im zehnten Jahr des Bestehens „die Besucherzahlen zum Rekord angewachsen sind“, verkündete Dialogregisseur Josef Niederer zu Beginn. Zum anderen füllen die „Thalias“ mit der Auswahl ihrer Stücke eine Lücke zwischen Humor und Ernst, die es zu schließen galt. Die ansteigenden Besucherzahlen zeigen, dass Interesse für Theater mit tiefgreifenderer Substanz besteht. Deshalb wird auch eine zusätzliche Aufführung am 30. April sein.
Auf ein Wagnis hatten sich die Gründer des Thalia-Theaters vor zehn Jahren eingelassen. „Wir wollten etwas anderes machen, als das andernorts ohnehin zur Genüge Gespielte…“, beschreiben sie im Programmheft zu „Pension Schöller“. „Unterhaltend sollte es sein, mit viel Esprit und einem selbst gesetzten hohen Anspruch“, heißt es weiter. Dieses Experiment ist gelungen und hält seit zehn Jahren an.
Mit Tempo beginnt der Schwank „Pension Schöller“. Revuemädchen (Daniela Lazar und Sandra Kurzinger) flitzen auf der Suche nach ihrer ewig müden Kollegin (Magdalena Thannhuber) über die Bühne und führen durch schnelle Dialoge mit den Zentralfiguren Alfred Klapproth und Freundin Kitty Schöller (Michael Blöchl, Maria Schallmoser) in die Handlung ein. Alfreds Onkel Philipp (Stephan Strobach) nämlich hat sich zu einem Besuch angesagt, weil er sehen will, wie sein von ihm finanziell unterstützter Neffe mit dem Psychiatriestudium so weiterkommt.
Was der Onkel nicht weiß, ist, dass Alfred nicht Psychiatrie, sondern Musik studiert und im zweifelhaften Revue-Etablissement durch sein Posaunenspiel etwas Taschengeld dazu verdient. Der Onkel aber ist fest entschlossen, in der Großstadt etwas Ungewöhnliches zu erleben und die Patienten seines Neffen in der Nervenheilanstalt kennen zu lernen.
Damit der Schwindel nicht auffliegt, hat Kitty die zündende Idee. Sie schlägt vor, die Klinik in die „Pension Schöller“ ihrer Mutter (Franziska Wanninger) zu verlegen. Mit den skurrilen Gästen, dem verrückten Großwildjäger (Matthias Eisele), dem seltsamen Major a. D. (Andreas Unterhruber) und der überbordenden Romanschriftstellerin (Diana Linke) geht es ohnehin zu wie im Irrenhaus, meint Kitty. Selbst die Mutter und der mit einem Sprachfehler behaftete Bruder Leopold (großartig dargestellt von Christian L.), könnten als leicht verrückt durchgehen, wenn man sie von der Warte des vermeintlich Normalen aus betrachtet.
Dass bei diesem Spiel Komplikationen auftreten, die Philipp Klapproth bis nach Hause in sein geregeltes bürgerliches Leben mit Schwester Ulrike (Johanna Lichtschläger) und deren Töchter Amalie und Ida (Melanie Süßmeier und herrlich reduziert Gabi Schöfberger) verfolgen, macht die Handlung komplett und bringt immer wieder die hintersinnige zentrale Frage aufs Tapet: Wer oder was ist eigentlich wirklich verrückt?
Große Spielfreude zeichnet die „Thalias“ aus. Auch wenn der erste Akt im Revuetheater durch sein Tempo ein bisschen konfus wirkt, konnte dennoch der Spannungsbogen über den vorzüglichen zweiten Akt in der „Pension Schöller“ hinaus gehalten werden. Viel Mühe macht sich das Thalia-Theater immer mit dem Bühnenbild (Mathias Lichtschläger, Michael Schmid und Christian L.). Während es sich im ersten Akt mit der Andeutung einer Backstage-Situation begnügte, wurden die Zuschauer im zweiten Akt in die gemütliche Atmosphäre einer gepflegten Pension mitgenommen und im Finale das bürgerliche Milieu im Klapprothschen Heim mit Stil der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts gezeigt. Entsprechend war auch die Kostümierung.
Mit der eigenen Bearbeitung des klassischen Schwanks hat das Thalia-Theater nach den Worten von Regisseur Christian L. „das selbst auferlegte Credo, sich immer wieder neu zu erfinden und Komödie in all ihren Spielarten zu zeigen“, erfolgreich weiter geführt. Ein unterhaltsamer Abend ist gewiss.
Weitere Vorstellungen im Gasthaus „Karpfinger“ in Tann: vom 24. bis 26. und 30. April sowie am 1. und 2. Mai. Beginn jeweils um 19.30 Uhr
PNP Imme Rosenberg

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